Über den Zustand der Arbeit
„Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?“, fragen die Leute, als sie Jesus treffen. (Mt 13,55) Ja, er ist es. Er ist der Sohn des Zimmermanns Josef von Nazaret. Und auch er ist von Beruf Zimmermann. (vgl. Mt 6,3)
Mai, der Wonnemonat, beginnt mit dem Tag der Arbeit. Und er katholische „Marienmonat“ Mai beginnt mit einer Wertschätzung des hl. Josef, des Arbeiters. Der Bräutigam der Gottesmutter Maria und der „Nährvater“ Jesu hat mit seiner Hände Arbeit die heilige Familie ernährt.
Eigentlich ganz normal und doch ein sehr archaischer Vorgang. Er führt uns zum biblischen Schöpfungsgeschichte. Hier finde ich die ursprüngliche Idee der Arbeit. Gott hat die Welt geschaffen und damit den Menschen ein Umfeld bereitet, das ihnen als Lebensraum dient. So steht es im Buch Genesis, dem ersten Buch der Bibel: „Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.“ (Gen 1, 29) Der Garten Eden ist aber kein Schlaraffenland, in dem einem die Trauben in den Mund wachsen. Der Garten wird des Menschen Wohnsitz mit dem Auftrag, ihn zu bearbeiten und zu behüten. (vgl. Gen 2,15)
„Arbeiten heißt, seine Kräfte anstrengen zur Beschaffung der irdischen Bedürfnisse, besonders des notwendigen Lebensunterhaltes ...“, das schreibt Papst Leo XIII. in seinem Lehrschreiben „Rerum novarum – über die neuen Dinge“. Darin beschäftigt er sich mit der Arbeiterfrage. Vor 135 Jahren - im Mai 1891 - wurde dieses Schreiben veröffentlicht.
Arbeit, das ist für ihn nicht die Idylle des Gartens Eden. In der Zeit der Industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Arbeit ein Problem geworden. Es werden erhebliche soziale Spannungen deutlich. Leo XIII. schreibt: „Und so geschah es, daß die Arbeiter allmählich der Herzlosigkeit reicher Besitzer und der ungezügelten Habgier der Konkurrenz isoliert und schutzlos überantwortet wurden.“
Auf jeden Fall: In den vergangenen 130 Jahren hat sich vieles verändert. Ist gut geworden durch den Einsatz engagierter Menschen. Aber weltweit scheint das Grundproblem unverändert zu sein: Arbeit führt oft nicht aus der Armut. Arbeitsbedingungen fördern die Not. „So sehen wir in einer Welt, in der es immer mehr arme Menschen gibt, paradoxerweise auch die Zunahme einiger reicher Eliten.“ (Dt n. 11). Das schreibt der aktuelle Papst Leo, der XIV., in seinem ersten Lehrschreiben. Er findet, die drängende soziale Frage nach gerechter Arbeit ist noch immer nicht beantwortet. Denn allzuoft reich der Arbeitslohn nicht „zur Beschaffung der irdischen Bedürfnisse, besonders des notwendigen Lebensunterhaltes“.
Der Sohn des Zimmermanns, das Arbeiterkind, hat neue Maßstäbe entwickelt. Die Predigt des Jesus von Nazaret ist für viele Menschen ein Impuls, sich zu engagieren. Sie setzten sich ein für gerechte Verhältnisse in der Welt, in der Arbeitswelt. Viele soziale Berufe sind aus der Not der Menschen entstanden. Die Würde des Menschen, jeder Frau, jedes Mannes und jedes Kindes vom ersten Augenblick ihres Lebens bis zu dessen Ende ist jeder Mühe wert.
Lutz R. Nehk
Hier können Sie den Beitrag auch anhören: MEDITATION
1. Mai 2026 | Foto: Nehk 2026 | Musik: privat
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