"Was wird aus meinen Kindern..."
Beate Wiebusch hat eine Selbsthilfegruppe für an Brustkrebs erkrankte Frauen gegründet
Beate Wiebusch lebt als pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte in Münster. Kürzlich hat die an Brustkrebs erkrankte Frau die Selbsthilfegruppe „TRAM-Ladies" gegründet. Im folgenden Interview nimmt die 44-jährige Stellung zum Thema Tod.
Inwiefern ist der Tod für Sie ein Thema?
Ich bin selbst von Brustkrebs betroffen und habe eine Selbsthilfegruppe für an Brustkrebs erkrankte Frauen gegründet. Wir sprechen in dieser Gruppe über die Ängste der Frauen und über den Tod, denn viele von dieser Krankheit betroffene Frauen, die Kinder haben, fragen sich: „Was wird aus meinen Kindern, wenn ich nicht mehr da bin?"
Was kann die Selbsthilfegruppe leisten?
Die Gruppe heißt nicht von ungefähr „TRAM-Ladies". „Treffen, Reden, Austauschen, Miteinander" ist das Motto. Der Name bezieht sich auf eine bestimmte Operationstechnik, die Tram-Methode, die die Brust mit Bauchmuskeln wieder aufbaut. Man muss lernen, mit dieser Krankheit umzugehen und sich selber die Angst vor dem Tod nehmen. Immerhin werden 80 Prozent aller brustkrebs-erkrankten Frauen geheilt, aber als selbst Erkrankte stellt man sich die Frage, ob man unter den Prozent ist, die sterben müssen. In dieser Situation braucht man nicht nur die medizinische, sondern erst recht die seelische Begleitung. Durch die Gemeinschaft von Betroffenen in dieser Selbsthilfegruppe wird der mögliche endgültige Abschied akzeptabel.
Haben Sie selber Angst vor dem Tod?
Ja, natürlich. Ich versuche das aber weit hinauszuschieben, da ich finde, dass ich mit 44 Jahren eine jüngere Frau bin, bei der die Heilungschancen doch sehr groß sind. Der Tod rückt immer dann in den Vordergrund, wenn die Heilung im Anfangsstadium ist und die Ungewissheit herrscht. Sobald man sich in guten Händen weiß, rückt das Thema aus dem Blickwinkel.
Wie schafft es die Gruppe, die Angst zu nehmen?
Wir beraten uns in Einzel- aber auch Gruppengesprächen. Wir stärken uns gegenseitig, motivieren uns, nicht aufzugeben. Das ist das Wichtigste. Die Medizin forscht immer weiter, und somit werden auch die Heilungschancen höher. Doch wenn man weiß, dass unter uns eine Frau ist, die nicht geheilt werden kann, dann ist es wichtig, diese Person nicht nur zu trösten, sondern sie zu unterstützen, einfach da zu sein und zuzuhören. Wir versuchen, ihr die Angst vor dem Tod zu nehmen.
Welche Ängste beschäftigen Sie selbst am meisten?
Bei mir ist die Sorge sehr groß, was aus meinen Kindern wird, sobald ich nicht mehr da bin. Ich habe selbst drei Kinder, die ich aufwachsen und leben sehen will. Sie sollen nicht ihre Mutter verlieren. Lebt man in einer Partnerschaft ohne Kinder, so wünscht man dem oder der anderen einen neuen Partner. Ein Erwachsener kommt immer klar; für ihn ist es leichter, einen neuen Lebensgefährten zu finden. Bei Kindern ist das etwas anderes: Eltern sind unersetzbar.
Interview: Carsten Hohmann und Jan Philipp Wiebusch, Klasse 9 (Kardinal-von-Galen-Gymnasium)
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