“Ich habe überhaupt keine Zeit”
Schüler befragen Münsteraner zum Thema Tod
Münster. Schüler beschäftigen sich mit dem Tod? Ungewöhnlich ist das schon, doch im Unterricht kann man sich das sogar noch vorstellen. Aber wildfremde Menschen zum Thema Tod zum Reden zu bringen, das ist schon eine Herausforderung! Die Schüler und Schülerinnen der Klasse 9c des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums schwärmen in die Innenstadt von Münster aus und sind frohen Mutes: "Hätten Sie vielleicht einen Moment Zeit für uns?"
Die Klasse 9c nimmt teil an dem Hospiz Projekt "Zwischen Ende und Anfang". Bis Ende November arbeiten 300 Schülerinnen und Schüler aus Münster und Wilhelmshaven zum Thema "Tod und Sterben". Acht Wochen lang setzen sie sich mit verschiedenen Zeitungen auseinander und untersuchen die unterschiedliche Art der Darstellung dieses Themas. Im Rahmen des Projektes werden die Jugendlichen aber auch selbst zu Journalisten und beschäftigen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem vermeintlichen Tabu-Thema "Tod". Am Ende des Projekts werden alle Artikel in einem Buch zusammengefasst und veröffentlicht.
Mit gezückten Notizblöcken, gespitzten Bleistiften und Kameras ausgerüstet, bitten die Schülerinnen und Schüler bei der Passantenbefragung auf dem Prinzipalmarkt freundlich um ein Interview. Wie stehen die Vorbeigehenden zum Tod? Wie begehen sie Allerheiligen und Allerseelen, und was wissen sie über Hospize?
"Ich habe es total eilig und überhaupt keine Zeit!", winken manche ab, ohne überhaupt zu wissen, worum es geht. Bevor sich die Enttäuschung breit machen kann, bleibt bei den Hobby-Journalisten doch ein älteres Ehepaar stehen. "Der Tod gehört zum Leben. Man geht zum Friedhof und macht sich einen gemütlichen Tag mit der Familie an Allerheiligen. Hospize sind gute Einrichtungen", erklären sie den Schülern auf ihre Fragen. Eine 40-jährige Dame meint, dass der Tod etwas Negatives sei. Auch sie verbringt Allerheiligen und Allerseelen im Familienkreis. "Im Hospiz werden Sterbende bis zum Tod begleitet", weiß sie. Eine andere Frau um die 28 Jahre wehrt die Frager ab: "Fragt mal lieber jemanden anders. Ich will damit nichts zu tun haben." Ein 75-jähriger Mann antwortet sofort bereitwillig. Seiner Meinung nach lebt der Mensch nach dem Tod als Geist weiter. Auch er verbringt die Feiertage zu Hause, hält allerdings von einem Hospiz nicht viel.
In der Kleimann-Passage schlägt den Interviewern der Duft von Frischgebackenem entgegen. In dem kleinen Krawattenladen der Passage arbeitet Inge Niehues (63). Sie hat Zeit für die jungen Journalisten und erzählt von ihren eigenen, sehr persönlichen Erfahrungen. Eine Kapelle oder eine Kirche an Allerheiligen und Allerseelen zu besuchen ist für die Frau selbstverständlich. "Nur weil Allerheiligen ist, muss man allerdings nicht gleich auf den Friedhof gehen. Es gibt schließlich 364 andere Tage im Jahr, wo man die Möglichkeit dazu hat." Von Hospizen hat sie einen guten Eindruck. Es fällt ihr jedoch nicht leicht, darüber zu reden. Mehrmals versagt ihr die Stimme. Die 63-jährige fährt jeden Mittag zu ihrem kranken Bruder ins Hospiz, um ihn zu füttern. Für sich selber möchte Inge Niehues eine Patientenverfügung haben, da sie ohne Schläuche sterben will. "Je älter man wird, desto besser geht man mit dem Tod um."
Tatsächlich ist es auffällig, dass junge Passanten so wenig wie möglich über das Thema "Tod" sprechen wollen. Die jüngste Befragte, die die Schüler zum Stehenbleiben bewegen können, ist eine 33-jährige Postbotin. Sie meint wie viele Passanten auch, der Tod sei der Anfang zum Weiterleben. Die Postbotin verbringt den Allerheiligentag in der Familie. Über Hospize weiß sie jedoch nichts.
Die Hobbyjournalisten machen eine solche Umfrage zum ersten Mal, doch sie schlagen sich gut und auch die Deutschlehrerin Christa Chrobak, die die Klasse in diesem medienpädagogischen Projekt betreut, ist mit den Schülern zufrieden und gespannt auf die schriftlichen Ergebnisse der Umfrage.
Emma Schönfeld (Kardinal-von-Galen-Gymnasium, 9. Klasse)
Sie möchten unsere Arbeit unterstützen?
Um unseren Hospizbewohnern bis zuletzt ein Leben in Würde ermöglichen zu können, aber auch für den ambulanten Dienst und die Trauerbegleitung benötigen wir Ihre Spende. – Herzlichen Dank.
Unser Spendenkonto
Darlehnskasse Münster
IBAN: DE30 4006 0265 0002 2226 00
BIC: GENODEM1DKM
... oder spenden Sie hier:
Sie haben Fragen?
Ihr Ansprechpartner:
Ludger Prinz
Geschäftsführung
Telefon: 0251 9337-626
info@johannes-hospiz.de




