Der Tod in Münster
Umfrage zu Allerheiligen in der Innenstadt der Uni-Metropole
Münster. Vor dem Friedenssaal in Münster herrscht ordentlich Betrieb. "Alle hierhin gucken!" ruft Gerd Felder vom "Team Zirkel", und über 50 Schülerinnen und Schüler des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums und der Friedensschule lachen in seine Kamera. Alle sind sie gekommen, um ahnungslose Passanten zum Thema Tod zu befragen.
Die Schüler sind im Rahmen des Deutschunterrichts Teilnehmer des Projektes "Zwischen Ende und Anfang" des Johannes-Hospizes, und ihre Aufgabe scheint recht simpel: "Befragt Passanten, wie sie zum Tod stehen, wie sie Allerheiligen verbringen und was sie über Hospize wissen!" Für einige Schüler gestaltet sich die Umsetzung allerdings nicht ganz so einfach. "Ich finde es nicht so leicht, wildfremde Menschen auf der Straße anzusprechen, vor allem wenn es um Tod und Sterben geht", meint Sina Pankok (15). "Aber da wir zu zweit sind, überlasse ich meiner Partnerin das Fragen, und ich schreibe alles mit." Die beiden Mädchen sind trotz der Hektik in der Stadt von der Befragung begeistert. Um Schutz vor dem Regen zu finden, laufen sie unter den Bogengängen des Prinzipalmarktes auf und ab und suchen freundliche Passanten für ihre Frageaktion.
Die enthusiastische Schwester Reingard vom Mutterhaus der Franziskanerinnen ist eine Gesprächspartnerin. Sie erzählt bereitwillig, dass das Franziskus-Hospital einen Palliativ- nbau plant. Dort müssen die Patienten dann keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr über sich ergehen lassen, sondern werden nur noch mit Mitteln gegen Schmerzen versorgt. "So wird ihnen der Übergang zwischen Leben und Tod erleichtert", urteilt die Schwester. Die gläubige Frau fügt hinzu, dass für sie persönlich nach dem Tod erst das ewige Leben beginnt.
Andere denken anders. Manche haben noch nicht darüber nachgedacht. Auch bei dem Thema Allerheiligen und Allerseelen gibt es große Unterschiede. Familie Ebert gedenkt an diesem Tag zwar an verstorbene Angehörige, unternimmt aber sonst nichts Besonderes. Ganz anders sieht das jedoch bei einer freundlichen Frau im besten Alter aus. Sie geht an Allerheiligen zunächst auf den Friedhof und danach zu einer Andacht in die Kirche.
In einer Sache sind sich aber alle Befragten einig: "In Hospizen findet man beeindruckende Fürsorge vor, und die Kranken dort können in Würde sterben." Im Ergebnis hat die Befragung den beiden Jugendlichen und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern interessante Einblicke in die unterschiedlichen Gedanken fremder Menschen zum Thema Tod ermöglicht und war eine sehr positive Erfahrung. So dürfte Unterricht öfter sein.
Lena Schemmelmann und Jasmin Richter (9. Klasse, Kardinal-von-Galen-Gymnasium)
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