Mein Hospizbesuch
Vor dem Hospizbesuch wusste ich nicht, was mich erwarten würde.
Ich wusste nur, dass ich in ein Haus gehe, in dem einige Menschen ihre letzten Stunden, Tage oder sogar Wochen verbringen.
Als ich dann vor der Tür des Hauses stand, wurde ich ängstlich. Ich fragte mich, ob ich wirklich in die Räume eintreten wollte, in denen Menschen in Erwartung des Todes leben und ihre Angehörigen, Freunde und Bekannte zum letzten Mal zu Gesicht bekommen.
Mir wurde warm ums Herz, als sich die Tür öffnete und ich für kurze Zeit eine Frau im Rollstuhl sah. Diese Frau überraschte mich sehr, da sie Wärme und Fröhlichkeit ausstrahlte. Sie machte auf mich keinen traurigen Eindruck, wie ich es erwartet hätte. Sie wirkte auf mich eher so, als ob sie ihre letzten Stunden mit Freude und Lebensmut verbringen wollte. Ich war sehr beeindruckt von ihrer Stärke und ihrer Zufriedenheit. Sie spiegelte nicht das wider, was ich erwartet hatte. Trotzdem versuchte ich mich in ihre Lage zu versetzten. Empfand sie Schmerzen? Strahlte sie Fröhlichkeit aus, um ihre eigentlichen Sorgen und Gedanken zu verdrängen? Doch sie lächelte mich nur an, und ich wurde aus meinen Gedanken gerissen.
Eine Frau führte uns in einen kleinen Versammlungsraum, der auch für Gottesdienste oder Feiern genutzt wird. Dort begrüßte uns Michael Roes, der Hospiz-Leiter. Ich war fasziniert und beeindruckt von den Erlebnissen und Erfahrungen, die er schon mit Sterbenden und deren Tod gemacht hatte, und stellte mir vor, wie ich mich in seiner Lage verhalten würde.
Während ich so überlegte, wurde mir klar, dass es Menschen gibt, die mit schweren Schicksaalen zu tun haben, und ich war Gott dankbar dafür, dass ich noch keine schlimme Krankheit erleben musste.
Durch den Besuch im Hospiz erfuhr ich, wie viel Leid es auf der Welt gibt und dass man jeden Tag, den man mit Gesundheit und Glück erleben darf, als Geschenk empfinden sollte.
Ines Bathen (Klasse 11, Pascal-Gymnasium)
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