WN 10.10.2002 "Im Hospiz wird bewusst gelebt"
Von Matthias Gisselbach
Münster.
Wir haben zusammen gelacht, aber auch geweint. So beschreibt Annet van der Voort die tiefen und emotionalen Gespräche, die sie anderthalb Jahre lang mit Bewohnern, Angehörigen, Mitarbeitern und Förderern geführt hat. Am Montag (14. Oktober) erscheint aus Anlass des Deutschen Hospiztages ihr Buch Leben im Hospiz. Darin lässt sie 24 Menschen zu Wort kommen, die durch ihr Schicksal oder durch ihre Arbeit mit den drei Häusern Johannes-Hospiz in Münster, Hospiz zum heiligen Franziskus in Recklinghausen und Haus Sonnenschein in Rheinsberg verbunden sind.
Tief beeindruckend sind die Aussagen der sechs Bewohner im Alter von 22 bis 80 Jahren, die inzwischen alle verstorben sind. Die gebürtige Niederländerin, die heute als freie Fotodesignerin in Drensteinfurt lebt, nimmt sich in ihrem Buch komplett zurück, lässt nur die Worte ihrer Gesprächspartner auf den Leser wirken. Trotz ihres Wissens um ihr bevorstehendes Sterben waren sie bereit, auf meine Fragen offen und ehrlich Antworten zu geben, ist die Autorin und Fotografin tief beeindruckt. Aber auch die Aussagen der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Hospiz-Häusern hinterließen bei ihr starke Erinnerungen. Jeder, der im Hospiz arbeitet, hat einen Grund. Niemand landet hier zufällig. Der bloße Eindruck vom Sterbehaus sei völlig falsch: Im Hospiz wird bewusst gelebt.
Leben im Hospiz, zu dem Bischof Reinhard Lettmann das Vorwort geschrieben hat, wird erstmals offiziell am Deutschen Hospiztag am kommenden Montag (14. Oktober) um 13.30 Uhr im Franz-Hitze-Haus präsentiert. Anschließend ist es im Buchhandel erhältlich. Zum Deutschen Hospiztag wird zudem am Lamberti-Kirchplatz ein Informationsstand aufgebaut, mit dem der Bevölkerung der Gedanke der Hospizbewegung näher gebracht werden soll. Drei weitere Termine folgen, kündigt Michael Roes, Leiter des Johannes-Hospizes an.Annet van der Voort: Leben im Hospiz, 136 S., Dialogverlag Münster, 14,90 Euro.
