WN 10.10.2002 "Bürgernähe ist entscheidend"
Münster
Zum dritten Mal findet am kommenden Montag der Deutsche Hospiztag statt. Das Johannes-Hospiz Münster - eine von zwei Einrichtungen vor Ort - wird aus diesem Anlass wieder den Blick der Öffentlichkeit auf sich ziehen. So wollen die Mitarbeiter am Hohenzollernring an diesem Tag verstärkt über ihre Arbeit berichten. Zudem wird das neue Buch der Autorin Annet van der Voort - "Leben im Hospiz" - in den Mittelpunkt gerückt.
"Hospize sind Orte, wo Sterbende leben und keine Lebenden sterben", will Annet van der Voort betont wissen. Dieser Gedanke leuchtete der Autorin und Fotografin ein, als sie sich eineinhalb Jahre lang mit schwerst kranken Bewohnern, deren Angehörigen und den Mitarbeitern von drei Hospizen im Bistum Münster befasste. Tiefgehende Gespräche, die auf Grund ihrer intensiven und einfühlenden Art zustande kamen, bildeten schließlich die Basis, um die Hospizarbeit auf 136 großformatigen Buchseiten in Wort und Bild dokumentieren zu können. "Wir haben zusammen gelacht und geweint", meinte van der Voort.
Einen Großteil der Interviews führte die Autorin im münsterschen Johannes-Hospiz. Daneben besuchte sie die Häuser "Sonnenschein" in Rheinberg und "Zum heiligen Franziskus" in Recklinghausen.
Van der Voort ermöglicht dem Leser einen sehr intimen Zugang zu den Sterbenden und allen Personen in deren Umfeld - vom Ehepartner über den Arzt bis hin zur Putzfrau im Hospiz. Diese Nähe begründet Dr. Hans-Josef Joest, Geschäftsführer beim Dialog-Verlag Münster: "Man hört in dem Buch nur die Befragten selber sprechen."
Der Leiter des Johannes-Hospizes, Michael Roes, sieht in dem Buch einen sehr guten Zugang zur Hospizarbeit. Das Thema Tod werde von der Gesellschaft ebenso gerne verdrängt wie die Sterbebegleitung. Längst nicht jedem sei klar, so Roes, "dass wir Sterbenden ermöglichen, noch einmal ganz bewusst zu leben und sich gemeinsam mit ihren Angehörigen auf den Tod vorzubreiten." Die Bürgernähe ist für ein Hospiz allerdings entscheidend: "Nicht zuletzt sind wir auf die Öffentlichkeit angewiesen", ergänzt Ludger Prinz, Geschäftsführer im Johannes-Hospiz, "weil zehn Prozent unseres Budgets aus Spenden kommen müssen."
Neben der Vorstellung des Buches "Leben im Hospiz" von Annet van der Voort am Montag um 13.30 Uhr im Franz-Hitze-Haus präsentiert sich das Johannes-Hospiz an diesem Tag und an weiteren Terminen mit einem Stand auf dem Lamberti-Kirchplatz.WAL
Münstersche Zeitung - 10. 10. 2002
