10.10.2002 "Bewundernswerte Kultur des Sterbens": Buch über das Leben im Hospiz
Münster. Das Ziel, die Bevölkerung immer wieder auf die Arbeit der Hospizbewegung aufmerksam zu machen, hat das Johannes-Hospiz in Münster zum diesjährigen Deutschen Hospiztag (14.10.02) in besonderer Weise erfüllt: "Leben im Hospiz" heißt das Buch von Annet van der Voort, das sie in Zusammenarbeit mit den katholischen Hospizen in Münster, Rheinberg und Recklinghausen geschrieben hat. "Das Buch ist eine außergewöhnliche Möglichkeit, in das Leben eines Hospiz-Hauses hineinzuschauen", erklärte Ludger Prinz, Geschäftsführer des Hauses in Münster, auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Buches.
Eineinhalb Jahre hat die Autorin Gespräche mit Mitarbeitern, Bewohnern der Hospize und ihren Angehörigen geführt. Das Ergebnis waren Einblicke, die Atmosphäre, Gespräche und Gedanken im Alltag eines Hospizes authentisch widerspiegeln. Die Häuser zeigen sich dabei weniger als "Sterbehäuser", sondern mehr als Orte, an denen bewusst gelebt wird.
"Es war eine intensive Beschäftigung mit einem Thema, das mich persönlich immer wieder tief berührt hat", berichtete die Autorin über ihre Recherche. Trotz ihrer Situation hätten die Akteure offene und ehrliche Antworten gegeben. Häufig sei keine lange Vorrede notwendig gewesen. Nicht selten hätten die Gesprächspartner sie aufgefordert, intensiver auf die zentralen Fragen einzugehen.
"Persönliche Gefühle der Angst, der Resignation und des Schmerzes, aber auch der Akzeptanz, der Hoffnung, des Glücks und der Liebe" seien ihr dabei vermittelt worden. Das Weinen ohne Scham habe genauso zu diesen Gesprächen gehört wie das offene Lachen.
"Wir versuchen, so viel Leben in unser Haus und unsere Zimmer zu bringen wie möglich", erklärte Prinz einen Grundsatz des Johannes-Hospiz. "Die Vorstellungen des Bewohners stehen dabei im Vordergrund, er bestimmt sein Umfeld."
Über das 136-seitige Buch mit großformatigen Porträtfotos urteilt Bischof Reinhard Lettmann: "Es erscheint mir hervorragend geeignet, das zukunftswichtige Anliegen der Hospizbewegung zu vermitteln." In seinem Vorwort beschreibt er die Hospizhäuser als Orte, an denen sich eine "bewundernswerte Kultur des Sterbens" entwickelt. Die Menschen, die sich in den verschiedenen Formen der Hospizbewegung engagierten, sei es gelungen, das Sterben aus der Tabuzone herauszuholen. Mit ihrem beispielhaften Einsatz verliere das Sterben für viele seinen Schrecken. In dieser Situation könne die Hoffnung keimen, "auf ein Leben, das keinen Tod kennt".
Seit die moderne Hospizbewegung 1967 in London ihren konkreten Anfang nahm, engagieren sich Haupt- und Ehrenamtliche weltweit dafür, Schwerkranken ein würdiges Sterben zu ermöglichen. Mittlerweile gibt es im Bistum Münster 55 ehrenamtliche Hospiz-Initiativen und sechs stationäre Hospize, drei weitere Einrichtungen sind im Bau oder geplant.
Am Deutschen Hospiztag (14.10.02) wird das Buch um 14 Uhr im Franz-Hitze-Haus in Münster offiziell vorgestellt. Dabei wird die Autorin aus ihrem Buch vorlesen. Nach der Lesung sowie Vorträgen zum Hospiztag und zur Hospizidee besteht die Möglichkeit zur Diskussion.
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Das Buch: "Leben im Hospiz"...
Begleiter der letzten Wege...
Text und Fotos: Michael Bönte, 10.10.2002
