MZ 24.03.2010 "Eingehüllt in das Leben"

Ausstellung: Schüler beschäftigen sich mit dem eigenen Tod

MÜNSTER Es heißt, in den letzten Momenten zieht noch einmal das ganze Leben an einem vorbei. Die Schülerin Stefanie Schaepers hat ein weißes Kleid genäht, auf dem die wichtigsten Stationen des eigenen Lebens geschrieben stehen.

Im Kunst- und Religionsunterricht beschäftigten sich die Schüler der Hildegardisschule drei Monate lang mit einem beklemmenden Thema: dem eigenen Tod. Am Mittwochabend wurde die Ausstellung „Sterben als letzte Lebensphase" in Kooperation mit dem Johannes-Hospiz im Kirchenfoyer an der Salzstraße eröffnet.

Todesanzeigen schimmern durch blaue Acrylfarbe hindurch, glühend versinkt die Sonne im Meer. Zwischen Todesanzeigen sind Zeitungsartikel zu sehen. Verena Bachmann hat auf einer Collage die verschiedenen Möglichkeiten, aus dem Leben zu scheiden, durchgespielt. „Ich habe mich gefragt: Wie will ich gehen?", erklärt sie ihre Collage. Die Todesanzeigen symbolisieren die gnädigste aller Todesarten, das Sterben im hohen Alter. Den Kontrast bilden Schlagzeilen zu Autounfällen und Morden. „In einer geschlossenen, sehr persönlichen Runde haben wir uns gefragt, wie wir sterben wollen", erzählt Kunstlehrerin Monika Bernd. Religionslehrer Walter Schmetz hat die Schüler an religiöse Fragestellungen herangeführt, Monika Bernd hat den Prozess künstlerisch unterstützt. „Es sollten ja keine Botschaften entstehen, die man auch einfach in Worte hätte fassen können", erläutert sie ihr Ziel. „Unsere Kunst soll einen Mehrwert an Aussage schaffen." Sterben als „ein Phänomen, das sich unserem Wissen entzieht", es als Prozess wahrzunehmen, das sei das Herz der Ausstellung, so Bernd.

Über 900 Todesanzeigen hat Benedikt Rottmann zu einer Collage verarbeitet. Doch auch das Wort „Leben" ziert die eindrucksvolle Leinwand. Die Liebe zum Leben prägt auch das weiße Kleid von Stefanie Schaepers. Sie hat es „Der Lauf meines Lebens auf Stoff" genannt. Den Saum zieren Stationen aus ihrem Leben. Da ist der Umzug der besten Freundin in ihre Nachbarschaft, das pinke Fahrrad, das sie zur Kommunion bekommen hat. Momente der Lebensfreude und des Glücks. Will sie das Kleid bei ihrer eigenen Beerdigung tragen? Sie lächelt. „Ich werde es auf jeden Fall aufbewahren."

Maria Schors

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