UK 27.9.2009 "Ort des Lebens und Sterbens"

MÜNSTER - Der Tag der offenen Tür des ökumenischen Johannes-Hospizes ist längst zu einer festen Einrichtung geworden. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens aber konnte das Haus jetzt mit einein besonders umfangreichen, bunten und vielfältigen Programm aufwarten, zu dem erstmals auch eine Vortragsreihe in der benachbarten Philosophisch-Theologischen Hochschule gehörte. Auch eine neue CD mit Musik von Mark Coles und dem Jürgen Bleibel-Trio sowie die neue Mitarbeiterzeitschrift "Kairos" wurden bei dieser Gelegen¬heit vorgestellt. Der erste Anstoß zum Bau des Hauses kam vor zehn Jahren von Weihbischof Friedrich Ostermann. Er regte damals hei der Provinzoberin der Mauritzer Franziskanerinnen, Schwester Theresina, an, in Münster ein stationäres Hospiz zu bauen. Zunächst stand noch die Frage im Raum, ob das neue Hospiz christlich oder weltanschaulich neutral ausgerichtet sein sollte, aber die konnte bald beantwortet werden, als Caritas und Diakonie sich zusammen mit den Mauritzer Franziskanerinnen und der Bischof-Hermann Stiftung auf eine gemeinsame Trägerschaft einigten. "Es war damals ein mutiger Schritt, ein solches Haus ins Leben zu rufen, denn das ist finanziell nie gesichert. Um so stolzer bin ich auf die Leistung in den letzten zehn Jahren", berichtet Geschäftsführer Ludger Prinz. Das Haus habe sich entwickelt, so Prinz, denn unter seinem Dach befinde sich jetzt ein ambulanter Hospizdienst, eine Trauerbegleitung und -beratung sowie eine Hospiz- und Palliativakademie, an der Fachkräfte ausgebildet werden könnten. Mit 99,2 Prozent habe das Johannes-Hospiz bundes¬weit die höchste Auslastung aller vergleichbaren Häuser. "Münster und das Johannes-Hospiz passen gut zusammen", so Prinz. Dass die Menschen die Distanz zum Haus verlieren und das Johannes-Hospiz als Ort des Lebens und Sterbens er¬fahren, bezeichnete Hospizleiter Michael Roes als Hauptziel des Tags der offenen Tür. "Dieses Thema soll konkret werden an einem solchen Tag. Jeder soll spüren: Das hat etwas mit meinem Leben zu tun", erläuterte Roes. Nicht Präsentation von Leistungen, sondern Begegnung mit dem Ort und den vielen Haupt-und Ehrenamtlichen stehe im Vordergrund. Dass Mitarbeiter, Interessierte und Angehörige von Bewohnern sich entspannt und locker im Rahmen eines Sommerfestes begegnen könnten, mache den eigentlichen Reiz der Veranstaltung aus. Bei einem Vortrag im Rahmen des Tages der offenen Tür bezeichnete Roes es als Ziel der Arbeit im Hospiz, dass jeder Bewohner den Alltag nach seinen Vorstellungen und Wünschen gestalten könne. "Was notwendig und wichtig ist, können nicht wir vorgeben, sondern nur die Bewohner selbst", unterstrich der Hospizleiter. Nicht Schmerzen, Übelkeit, Luftnot oder Angst sollten im Hospiz im Mittelpunkt stehen, sondern ein möglichst normaler Alltag, der durch die entsprechenden medizinischen und pflegerischen Rahmenbedingungen ermöglicht werde. "Wir wollen vermitteln, dass Sterben etwas Normales ist und keine Katastrophe, dass also Leben und Sterben zusammengehören", erklärte Roes.



