MZ 8.4.2009 "Sterben,Trauer und Tod"

Münster: Die Vorbehalte und Ängste sind immer noch groß. Viele fürchten den Tod. Viele scheuen den Kontakt zu Menschen, die im Sterben liegen.
"Die letzte Lebensphase ist die intensivste - und zugleich die schwierigste" , sagt Andreas Stähli. Auch wenn sich die Palliativmedizin in den vergangenen Jahren gut etabliert habe, bliebe ein grundlegendes Problem: "Wir müssen alle umdenken" , so der studierte Philosoph und examinierte Altenpfleger. Mit Leben füllen Drei Jahre arbeitet er bereits als Pfleger im Johannes-Hospiz. Seit einigen Monaten arbeitet er an der "Palliative Care" Akademie, einem neuen Fort- und Weiterbildungsangebot in der Rudolfstraße 31.
Das neue Haus, das das JohannesHospiz erst im November 2008 eröffnet hat, will er ab Mai mit Leben füllen. Stähli: " Die Begleitung von Sterbenden erfordert ganz andere Werte und Rezepte, als wir sie in der Alten- oder Krankenpflegeausbildung gelernt haben." Die Regale für die geplante Fachbibliothek sind bereits aufgebaut, auch die neue Kaffeemaschine für ein gemütliches Beisammensein steht bereits in seinem Büro parat. Auf frisch renovierten vier Etagen will Stähli die Hospizarbeit nicht neu erfinden. Aber er will sie hinterfragen: "Wenn es keine Aussicht auf Gesundung mehr gibt, ist ein Glas Rotwein für den Patienten vielleicht viel wichtiger als der medizinisch eingeschränkte
Ernährungsplan" , sagt er.
Direkte Anbindung: Ab Juni wird Andreas Stähli Grund- und Aufbaukurse für Fachkräfte der Sterbebegleitung anbieten. Eine derartige Fortbildung ist in Münster nichts Neues. Neben dem Hiltruper HerzJesuKrankenhaus engagiert sich beispielsweiseauch die UniKlinik in diesem Bereich. Neu ist allerdings die direkte Anbindung zur stationären und ambulanten Hospizarbeit: "Wir wollen ein zentraler Ort zum Austausch sein. Der Bedarf einer vielseitigen ethischen und praktischen Bildung ist groß" , so Stähli. Neben der Weiterbildung von Fachkräften will er auch die breite Gesellschaft erreichen: "Unsere Tür steht für alle offen, die sich mit den Themen Sterben, Trauer und Tod beschäftigen. Ich möchte eine hospizliche Bildung für alle anbieten, die Menschen sensibilisieren und ihnen die Ängste nehmen." twi



