Echo-MS 3.12.2009 "Johannes-Hospiz baut an: Mehr Gestaltungsraum für Bewohner und Mitarbeiter"

[03.12.2009 | HH]Über 1000 Menschen hat das Johannes-Hospiz in den zehn Jahren seines Bestehens inzwischen liebevoll in den letzten Lebenstagen begleitet. Sie, ihre Angehörigen und Freunde haben in der alten Villa am Hohenzollernring Begleitung und Unterstützung erfahren - unter zunehmend schwierigeren Raumproblemen. "Wir platzen aus allen Nähten", fasst Geschäftsführer Ludger Prinz zusammen.
Die Konsequenz: Das Johannes-Hospiz wird durch einen Anbau erweitert und passt sich damit der steigenden Nachfrage an. "Die durchschnittliche Verweildauer im Haus ist auf etwa 22 Tage gesunken", so Michael Roes, der Leiter des Hauses. "Wir brauchen einfach mehr Rückzugsräume für die Bewohner, aber auch Platz für trauernde Angehörige und Angebote wie Trauerbegleitung oder Gespräche".
Mehr Platz auch für Mitarbeiter
Der im Anbau neu geschaffene Platz wird aber vor allem auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessern: Denn Arbeitsplätze im Keller wie bisher soll es nicht mehr geben, auch das Büro des Leiters und ein Sekretariat sollen nach der Fertigstellung im Haus zu finden sein.
Da die Villa unter Denkmalschutz steht, haben Architekt Werner Voscort und Ludger Prinz viele Gespräche auch mit der Stadt Münster und speziell der Denkmalbehörde geführt.
Gläserner Gang verbindet Gebäude
Auflage für den Neubau: Er wird hinter dem jetzigen Hospiz als eigenständiger, moderner Bau entstehen und mit dem Stammhaus durch einen gläsernen Gang verbunden. "An diesen Gang können wir einen sichtgeschützten Innenhof-Freisitz mit Blick ins benachbarte Grün integrieren - so ist der Blick auf die Bewohner vom Grundstück des Franziskus-Hospitals aus nicht mehr möglich".
Bettenaufzug integriert
Im Erdgeschoss des kubischen Neubaus wird es einen Essraum mit Küche und Aufenthaltsraum geben. Im ersten Obergeschoss entstehen vier Bewohnerzimmer mit Nasszelle und ein Pflegearbeitsraum. Außerdem sollen neue Büro- und Mehrzweckräume allen im Haus Lebenden und Arbeitenden mehr Gestaltungsraum geben. Im Altbau werden durch Umstrukturierungen neben Bewohnerzimmern auch zwei Angehörigen-Räume zum Übernachten geschaffen werden können. Die Gesamt-Bettenzahl soll sich auf zehn erhöhen - ein Aufzug soll Schwerstkranken die Möglichkeit geben, mit dem Bett in den Garten gefahren zu werden.
"Erst muss die Finanzierung stehen"
Die Pläne sind fertig, aber: "Gebaut wird erst, wenn die Finanzierung wirklich steht!", betont Ludger Prinz sehr ernsthaft. Denn die Gesamtkosten von etwa 1,66 Mio. Euro (inclusive Einrichtung und Außenanlagen) werden zwar zu gut 80 Prozent von der Stiftung Deutsches Hilfswerk und der Stiftung Wohlfahrtspflege getragen - doch die 20 Prozent Eigenmittel bedeuten für das Johannes-Hospiz immerhin eine Summe von rund 330.000 Euro. Dennoch sind alle Beteiligten zuversichtlich, im Frühjahr 2010 mit dem Neubau beginnen zu können - voraussichtlich soll erst der Rohbau des neuen Hauses errichtet werden und wegen möglichst geringer Baubelastungen für Bewohner und Mitarbeiter danach erst der Verbindungsgang.
Noch mehr Neues: Spendensiegel und Gedenstätte
Erfreut sind sowohl Geschäftsführer als auch Hospiz-Leiter über die erneute Zuerkennung des DZI-Spendensiegels, das den transparenten und vertrauenswürdigen Umgang mit Zuwendungen verbürgt. Und noch etwas tut sich neben den großen Plänen auch im Kleinen: Es soll einen neuen Ort des Gedenkens an die hier Verstorbenen geben. Gedacht ist an einen metallenen Baum im Garten, an dem die Angehörigen der Toten Kupferblätter befestigen lassen können, die sie mit eigenen Worten beschriften. Die sich langsam unter Wind und Wetter ins Grünliche verändernden Metall-Blätter machen aus dem an sich kahlen Baum so ein Bild der Hoffnung



