Der Tod lässt sich nicht verdrängen

Johannes-Hospiz startet bundesweit einzigartiges Projekt

Ein Tisch mit unzähligen Kerzen. Eine nach der anderen wird entzündet, bis der gesamte Tisch wenig später hell erleuchtet ist. Dazu erklingt getragene Klarinettenmusik. Ansonsten ist es fast mucksmäuschenstill, obwohl die Aula des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums in Münsters Stadtteil Hiltrup mit 220 Schülern und ihren Lehrern voll besetzt ist.

Es ist der besinnliche Start für ein Projekt, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Bis Ende November arbeitet das Johannes-Hospiz mit dem Journalisten-Team "Zirkel" zusammen, um Schülern der Sekundarstufe I und II das Thema "Tod" auf vielfältige Art und Weise nahe zu bringen. Insgesamt nehmen an dem Projekt über 300 Jugendliche und junge Erwachsene von sechs münsterschen Gymnasien und Realschulen teil.
Beim Tod handelt es sich um ein vermeintliches Tabu-Thema. Doch der Tod lässt sich nicht verdrängen. Er zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen, und auch in den gesellschaftlichen Diskussionen taucht er immer wieder auf. Sehr anschaulich wird das auch in der Aula des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums: Der Start des Hospiz-Projektes ist eingebettet in einen interdisziplinären Studientag, der unter dem Leitwort "Menschenwürde an den Grenzen des Lebens" steht. Vorbereitet haben ihn auf geradezu vorbildliche Weise die beiden Religionslehrer Hildegard Rickert und Udo Hühn. In Kleingruppen erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass es gänzlich unterschiedliche Ansätze gibt, sich der Problematik zu nähern.

Dabei werden die ethischen Fragen rund um die Organspende ebenso behandelt wie das Mozart-Requiem als vielleicht bekannteste Toten-Messe. Genau an dieser Vielfalt setzt das Projekt "Zwischen Ende und Anfang" des Johannes-Hospizes in Zusammenarbeit mit dem Team "Zirkel" an.
"Unsere Botschaft lautet: Sterben und Tod gehören zum Leben und nicht in eine Tabu-Ecke", betont der Journalist Gerd Felder vom Team "Zirkel". "Wir bringen das Thema wieder dahin, wo es hingehört: in die Mitte der Gesellschaft." Ein ähnliches Anliegen hat auch Michael Roes als Leiter des Johannes-Hospizes. Der gelernte Krankenpfleger betont, dass seine Einrichtung kein Haus des Sterbens, sondern ein Haus des Lebens sei: "Bei uns wird gelacht und geweint, und die Menschen erfahren am Ende ihres Lebens besondere Zuwendung." Mit diesem Projekt wolle das Hospiz Hemmschwellen, Klischees und Vorurteile abbauen. In den kommenden Wochen setzen sich die Schüler mit so unterschiedlichen Zeitungen wie den "Westfälischen Nachrichten", der evangelischen Wochenzeitung "Unsere Kirche" und der Frankfurter Rundschau auseinander und nehmen deren Berichterstattung zum Themenbereich "Sterben und Tod" unter die Lupe. Parallel werden sie selbst als Journalisten tätig.

Der Studientag im Kardinal-von-Galen-Gymnasium gibt ihnen zahlreiche Anregungen für alle möglichen Aspekte zum Thema. In einer Podiumsrunde erörtern sieben Fachleute die ethischen, medizinischen, theologischen und juristischen Dimensionen von Sterben und Tod, unter ihnen auch Hospiz-Leiter Michael Roes und Gerd Felder vom Team "Zirkel". Der frühere Chefredakteur der Paderborner Kirchenzeitung "Der Dom" betont, dass das Thema "Tod" in den Medien mittlerweile deutlich präsenter ist als in früheren Zeiten: "Dennoch ist der Umgang damit nach wie vor nicht selbstverständlich", erklärt Felder. "Noch vor zehn Jahren wäre unser Projekt undenkbar gewesen."

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