“Das Wagnis hat sich gelohnt”
Pilotprojekt im Pascal-Gymnasium erfolgreich beendet
Münster. Mit einer schwungvollen, abwechslungsreichen, aber auch nachdenklich stimmenden Abschlussfeier im Pascal-Gymnasium ist das Pilotprojekt "Zwischen Ende und Anfang" des Johannes-Hospizes zu Ende gegangen. "Es hat sich gezeigt: Schülerinnen und Schüler sind bereit und in der Lage, sich auf das schwierige Thema 'Tod' einzulassen, ja sich manchmal vielleicht sogar dafür begeistern zu lassen", zog Projekt-Initiator Gerd Felder vom "Team Zirkel" Bilanz. "Das Wagnis hat sich gelohnt." Und Michael Roes, Leiter des Johannes-Hospizes, ergänzte: "Wenn heute die Frage im Raum steht, ob dieses Projekt vertretbar war, kann ich dies uneingeschränkt mit 'Ja' beantworten."
Andächtige Stille legte sich über die Aula des Pascal-Gymnasiums, als Dr. Gabriele Bieling von der Marienschule Kurzgeschichten ihrer Schülerinnen Annkristin Wewel und Luisa Pelz ("Teddys Freundin") und Nina Becker ("Der Dachboden") vorlas. Ähnlich stark unter die Haut ging das Interview von Carsten Hohmann und Jan Philipp Wiebusch vom Kardinal-von-Galen-Gymnasium, die Jans an Brustkrebs erkrankte Mutter Beate zum Thema "Tod" befragt hatten. "Welche tollen Artikel und Geschichten bei unserem Projekt entstanden sind, davon können Sie sich im Laufe dieser Feier selbst überzeugen", betonte Projektleiter Gerd Felder. "Viele unserer Schüler haben das vermeintliche Tabu-Thema zu ihrem gemacht, sind unbefangen daran herangegangen und haben gelernt, dass Sterben und Tod weitaus mehr ist als Schulstoff, sondern viel mit ihrem Leben zu tun hat." Vor allem aber habe ihr Bild von Hospizen allgemein und vom Johannes-Hospiz im Besonderen sich in diesen acht Wochen gewandelt. "Wenn es uns gelungen ist, unsere Schülerinnen und Schüler und damit auch die Öffentlichkeit ein bisschen nachdenklicher und sensibler zu machen, haben wir schon viel erreicht", meinte Felder. "Der Tod gehört als Thema nicht nur mitten in die Gesellschaft, sondern auch in die Schule: Das ist die Botschaft, die von unserem Projekt und von dieser Abschlussfeier ausgeht."
Hospiz-Leiter Roes, der in einem von Maike Tombrink (Klasse 9 des Kardinal-von Galen-Gymnasium) verfassten Text-Portrait treffend charakterisiert wurde, bestätigte Felders Einschätzung: "Zum Ende des Projektes kann ich feststellen, dass es lohnenswert und wertvoll war." Vor Monaten hätte er noch nicht für möglich gehalten, 300 Schülerinnen und Schülern im Johannes-Hospiz in acht Wochen stationäre Hospizarbeit vorzustellen, räumte Roes ein. Am Ende aber lasse sich feststellen, dass alle Sorgen unbegründet gewesen seien. "Wir möchten nicht schamhaft am Rand stehen und nur im Flüsterton erwähnt werden", erläuterte der Leiter die Intentionen des Hospizes. "Wir möchten vielmehr deutlich machen, dass es möglich ist, auch mit jungen Menschen an diesem Thema zu arbeiten und alltagsnah Begegnung zu schaffen." Vor allem bei den Besuchen im Hospiz habe er ein großes Interesse festgestellt, das man in dieser Form nicht habe voraussetzen können, so Roes. Fotos verdeutlichten bei der Abschlussveranstaltung die ganze Vielfalt des Projektes. Neben dem Rückblick bestimmten Kunstwerke die Feier, deren thematischer Schwerpunkt auf dem Thema "Der Tod in der bildenden Kunst" lag. Auf der Bühne war ein sogenannter Monoriss der im Jahr 2002 verstorbenen Münsteraner Künstlerin Rika Unger zu sehen. Er trug den Titel "Siehe, ich habe vor Dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann (Offenbarung 3,8) ". "Dieses Bild steht dafür, dass nichts eindeutig ist. Alles Schöne hat seine dunkle Seite und umgekehrt", erklärte Dr. Gabriele Bieling. In einer Moderationsrunde mit Markus Breuer vom "Team Zirkel" bestätigten die Schülerinnen Marina Marquez, Dominique Rodil und Lisa Overmühle (Pascal-Gymnasium), dass sie durch das Projekt einen neuen Zugang zum Thema "Tod" bekommen hätten. Vor allem der Besuch im Johannes-Hospiz habe sie nachhaltig beeindruckt. "Gelegentlich sind wir dem Thema sehr viel näher gekommen, als wir das selbst geglaubt hätten. Genau das fand ich aber gut", urteilte Marina Marquez. Ähnlich äußerte sich Lehrerin Christa Chrobak vom Kardinal-von-Galen-Gymnasium: "Meine Schüler sind von dem Thema dermaßen fasziniert, dass sie auch über das Projekt hinaus daran arbeiten wollen. Vielleicht sollten wir viel öfter kompetente Leute von außen in den Unterricht einladen."
Vor allem der letzte Teil der Abschlussveranstaltung widmete sich dem eigentlichen Schwerpunkt des Vormittags: "Der Tod in der bildenden Kunst". Claudius Lütke Schwienhorst, Rosa Lehmann und Judith Rotering vom Pascal-Gymnasium trugen ein Interview mit der zehnjährigen Grundschülerin Karin vor, die vor fünf Jahren für die Ausstellung "Tote essen auch Nutella" im Stadtmuseum Münster ein Bild zum Thema "Tod" mit dem ermutigenden Titel "Herzgondelfahrt zum Paradies" gemalt hatte. Schülerinnen und Schüler der münsterschen Friedensschule hatten sich dem Thema "Tod" gemeinsam mit ihrer Lehrerin Eva Fahmüller ebenfalls auf künstlerische Art und Weise genähert. Vielfach erzählten ihre Kunstwerke, die in einer kleinen Begleitausstellung präsentiert wurden, von Hoffnung - und von dem Glauben an ein Leben nach dem Tod. Eine Überraschung hielten die beiden Schülerinnen Anna Hölscher und Lena Fiebig von der Klasse 10 des Pascal-Gymnasiums bereit. Sie überreichten Hospiz-Leiter Michael Roes am Ende ein selbstgemaltes großformatiges Bild, auf dem der Tod in bunten Farben dargestellt ist. "Dieses Kunstwerk wird in unserer Einrichtung einen ganz besonderen Platz bekommen", versprach der Hospiz-Leiter spontan. Anschließend blies Michael Roes die Kerze aus, die rund eineinhalb Stunden ruhig vor dem Monoriss der Künstlerin Rika Unger gebrannt hatte. Es war der letzte feierliche Akt der Abschlussveranstaltung. Mit dem Anzünden von Kerzen hatten Schülerinnen und Schüler des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums das Projekt acht Wochen zuvor eröffnet. Mit dem Löschen einer Kerze ging es im Pascal-Gymnasium zu Ende.
Text: Markus Breuer/Gerd Felder
Fotos: Markus Breuer/Gabriele Felder



