"Warum brennen hier so viele Kerzen?"

"Friedhofsrallye" der der Johannes-Gutenberg-Realschule

Münster. Er gehört zu Münster wie der Dom und der Prinzipalmarkt: Münsters historischer Zentralfriedhof wird in diesem Jahr 120 Jahre alt. Doch welche bekannten Frauen und Männer sind auf dem ökumenischen Gottesacker beerdigt? Wer waren sie, wann haben sie gelebt, und was haben sie für Münster und die Welt geleistet? Das versuchte die Klasse 10 A der Johannes-Gutenberg-Realschule Hiltrup mit dem stellvertretenden Schulleiter Walter Imping jetzt bei einer "Friedhofsrallye" herausfinden.

Ausgerüstet mit detaillierten Friedhofsplänen und Fotoapparaten, besuchten die 29 Schülerinnen und Schüler die Gräber von berühmten Verstorbenen. An mehreren Punkten standen ihnen "Lotsen" bzw. "Info-Streckenposten" hilfreich zur Seite. Durch geschicktes und gezieltes Fragen konnten die Schüler von ihnen alles Wissenswerte über den jeweiligen Verstorbenen erfahren.

Erster Halt war für mehrere Gruppen gleich die Grabkapelle der seligen Schwester Euthymia. "Warum brennen hier so viele Kerzen, und was erwarten die Leute von dieser Schwester?", fragt Sandra erstaunt. Schnell wird deutlich: Das Grab der Clemensschwester unterscheidet sich deutlich von allen anderen, die auf diesem Rundgang besucht werden. Ein Wald von Kerzen und Blumengebinden zeugt von der ungebrochenen Verehrung des "Engels der Liebe".

Ein paar Meter weiter entsteht ein kleiner Stau: Drei Gruppen haben bei Hermann Landois, dem Begründer des münsterschen Zoos, Halt gemacht. Hier wundern die meisten Schüler sich über dessen schrulliges Wesen. "Hatte er eine Frau? Und Kinder?" will Timo wissen. "Weder - noch", antwortet Projektleiter Gerd Felder, der hier als "Info-Posten" steht. "Könnt Ihr Euch den Grund vorstellen?" "Er war schwul", kommt es spontan. "Nein, er war Priester, bekam aber Probleme mit der katholischen Kirche", klärt Felder auf. "Spannungen zwischen der Kirche und den Naturwissenschaften waren damals an der Tagesordnung." Schon will die nächste Gruppe etwas von ihm über Josef Pieper wissen, der um die Ecke begraben ist. "Er war einer der bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts", berichtet Felder, "und seine Vorlesungen in Münster zählten zu den meistbesuchten überhaupt." Die Schüler zeigen sich total überrascht: Von diesem berühmten Philosophen haben sie noch nie etwas gehört.

Dagegen ist der Name Jürgen Möllemann vielen ein Begriff. Zwei Gruppen, die sich besonders mit dem Thema "Suizid" auseinandersetzen, besuchen sein Grab. "Aber wieso liegt der hier in Münster begraben?" fragt Sarah - um dann zu erfahren, dass der FDP-Politiker die längste Zeit seines Lebens in Münster gewohnt hat. Die Umstände seines bis heute nicht hundertprozentig aufgeklärten Todes lassen die Schüler sich ausführlich beschreiben. Bei Busso Peus, dem ehemaligen Oberbürgermeister, sind sie angetan von dem, was er für Münster geleistet hat, während "der Wuermeling" (Bundesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling) ihnen völlig unbekannt ist. Am weitesten ist der Weg zu den Gräbern des ehemaligen Reichskanzlers Heinrich Brüning und des amerikanischen Komponisten Moondog (Louis Hardin). "Was - so ein bedeutender Mann kam aus Münster?", staunen sie über Brüning, von dem sie im Zusammenhang mit der Weimarer Republik schon im Unterricht gehört haben.

Mit starkem Interesse und Feuereifer sind alle bis zuletzt bei der Sache. In der Nähe des Friedhofsausgangs an der Himmelreichallee besuchen mehrere Gruppen zum Abschluss noch den Chemiker Wilhelm Klemm, den Komponisten Julius Otto Grimm und den Dressurreiter und Politiker Dr. Reiner Klimke. Stoff, so stellen sie am Ende alle zufrieden fest, haben sie genug: Als Ergebnis der "Rallye" werden sie nun Artikel über die berühmten Toten verfassen - für das medienpädagogische Pilotprojekt "Zwischen Ende und Anfang" des Johannes-Hospizes.

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