Hospize werden sehr geschätzt
Passantenbefragung in Münsters Innenstadt
Münster. Die meisten Münsteranerinnen und Münsteraner haben keine Angst vor dem Tod. Das ist eines der überraschenden Ergebnisse einer Passantenbefragung, die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse jetzt in Münsters Innenstadt durchgeführt haben. Und noch eine zweite Erkenntnis haben die 57 Schüler von Friedensschule und Kardinal-von-Galen-Gymnasium bei ihrer Umfrage gewonnen: Hospize sind allen Befragten bekannt und genießen eine ausgesprochen hohe Wertschätzung. "Es müsste mehr davon geben", lautete der Tenor der Umfrage, die auf dem Prinzipalmarkt, in der Ludgeristraße, am Lambertikirchplatz und auf dem Domplatz durchgeführt wurde.
Die Passantenbefragung gehörte zum medienpädagogischen Pilotprojekt "Zwischen Ende und Anfang" des Johannes-Hospizes in Münster. Das ökumenische Hospiz und das Journalisten-Team "Zirkel" arbeiten bis zum 30. November zusammen mit sechs Gymnasien und Realschulen aus Münster sowie einem Gymnasium aus Wilhelmshaven zum Thema "Sterben und Tod". An dem bundesweit einmaligen Medien-Modellprojekt nehmen 13 Klassen mit über 300 Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I und II teil.
Noch ein anderes in mancher Hinsicht überraschendes Ergebnis brachte die Umfrage in der Innenstadt zutage: Die Traditionen und Bräuche zum katholischen Hochfest Allerheiligen drohen in Vergessenheit zu geraten. Nur ältere Menschen besuchen noch die Gottesdienste und die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde. "Ein Fest feiern", "den Tag in der Familie begehen" und "ausschlafen" lauteten die Antworten bei den Jüngeren der Befragten.
Insgesamt wurden etwa 70 Personen mit so schwierigen Fragen wie "Wie stehen Sie zum Tod?", "Was wissen sie über Hospize?" oder "Wie begehen Sie Allerheiligen und den Trauermonat November?" konfrontiert. Manche, vor allem ältere Passanten winkten ab und gaben zu erkennen, dass sie sich mit "so schlimmen Fragen" nicht auseinandersetzen wollten. Ein ganz anderes Verhältnis zu diesen Fragen legten dagegen die beteiligten Schüler an den Tag. "Wir können uns in der Schule entspannt über alles unterhalten", betonten Eva (14) und Norma (15), Schülerinnen der Friedensschule. "Und wir finden es wichtig, dass wir uns mit solchen Themen beschäftigen."
"Nichts ist so sicher wie der eigene Tod. Deshalb ist es wichtig, ein solch heikles Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, auch wenn unsere Spaßgesellschaft es gerne verdrängt", unterstrich Projektleiter Gerd Felder vom "Team Zirkel". Und der Leiter des Johannes-Hospizes, Michael Roes, fügte hinzu: "Mit Abschieden hat jeder ein Leben lang zu tun. Man braucht ein intensives Leben, damit man intensiv sterben kann." Anders ausgedrückt: Wer sich rechtzeitig mit der Thematik auseinandersetze, werde dafür in den letzten Wochen mit einem zusätzlichen Stück Lebensqualität belohnt.
Text: Gerd Felder
Fotos: Gabriele Felder



