WN, 05.01.2017: Eine Reise zu den letzten Ritualen

Heike Bönninghausen hat in vier Hospizen von Moskau bis Kopenhagen hospitiert

Von Günter Benning

MÜNSTER. Heike Bönninghausen reist gerne. Aber nach ihrem 50. Geburtstag hat sie sich ein besonderes Projekt vorgenommen. Eine Reise durch Europa, zu den Orten für Sterbende. Sie hat in vier Hospizen mitgearbeitet: „In Bukarest in 12-Stunden- Schichten.“

Bönninghausen ist Krankenschwester. Früher ist sie mal für ein ganzes Jahr verreist, mal für mehrere Monate. Hat zum Beispiel in Asien erlebt, wie offen dort mit dem Tod umgegangen wird. „Dort versammelt sich das ganze Dorf zum Trauern“, erinnert sie sich, „das war etwas sehr Lebendiges.“

Heute arbeitet die Hiltruperin im Johannes-Hospiz neben dem St.-Franziskus- Hospital: „Hier bin ich ganz nah am Menschen“, sagt sie.

Aber dann wollte sie wissen, wie es anderswo ist. In Kopenhagen, Zürich, Moskau und Bukarest. Dort fuhr sie hin, arbeitete mit und fasste ihre Erlebnisse in einem Bericht zusammen. Das Ergebnis: Die Rituale des Todes unterscheiden sich, die ökonomischen Unterschiede sind gewaltig.

In Kopenhagen empfand sie die Atmosphäre skandinavisch karg. „Auf einem Klavier steht ein kleiner Engel. Wenn ein Patient verstorben ist, kommt daneben das Namensschild des Patienten. Dies ist das einzige Symbol, das einzige Ritual nach dem Versterben eines Patienten.“ Das Altersheim in Bukarest dagegen, war voller orthodoxer Ikonen, selbst im Begegnungsraum fehlten sie nicht.

In der Schweiz gab es besonders viele Rituale, die auch den Mitarbeitern des Hospizes den Abschied leichter machten. Das Besondere: „Dort ist Sterbehilfe erlaubt, die Patienten konnten sich von Exit und Dignitas beraten lassen.“ Wer sich für den Freitod entschied, musste allerdings das Hospiz verlassen. Das geschehe aber nur selten.

Was die realen Folgen des Wirtschaftsboykotts gegenüber Russland sind, erlebte Heike Bönninghausen im First Moscow Hospice: „Es fehlten elementare Dinge.“ Europäisches Verbandsmaterial war Mangelware, überall musste improvisiert werden. In Vierbettzimmern hätten die Kranken wenig Individualität erlebt: „Aber die Mitarbeiter waren pragmatisch und nett.“

Was Armut bedeutet, erlebt Bönninghausen auch in Bukarest. „Es gab nur eine sehr einfache Pflege, die Patienten wurde nur einmal in der Woche gewaschen.“ Und das, obwohl die Mitarbeiter dort Zwölf-Stunden-Schichten fuhren: „Das Sterben passiert, es wird beobachtet, aber es wird nicht begleitet.“

Die Reise von Heike Bönninghausen soll Folgen haben. So wird das Johannes-Hospiz auch weiter den Kontakt aufrecht halten.

Ihre Erfahrung: „Überall auf der Welt gibt es Menschen, die anderen helfen wollen.“

Heike Bönninghausen in der Eingangshalle des Johannes-Hospizes.
Foto: bn

  

Bunter Aufenthaltsraum in einem schweizer Hospiz (links bzw. oben)
Ikonen an der Wand im Hospiz in Bukarest (rechts bzw. unten)

Foto: Heike Bönninghausen

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